Die Praxis im Ausland empfehle ich eindeutig
MUDr. Peter Ondrejka hat jahrelang als ästhetischer Chirurg in Großbritannien gearbeitet.
Wie unterscheiden sich ästhetische Chirurgie, Anforderungen der Klienten und Arbeitsbedingungen der Ärzte in Großbritannien von der Tschechischen Republik?
Herr Doktor, kann man die tschechische und englische Klientel vergleichen?
Na sicher, schon die Struktur der Patienten in England ist ausdrücklich anders als in Tschechien. Es gibt dort eine Reihe von Menschen, die aus Indien, Pakistan, aus Gebieten der ehemaligen britischen Kolonien kommen. Diese Klienten sind wesentlich anspruchsvoller als gebürtige Engländer. Das kommt wahrscheinlich davon aus , dass in den Gebieten, woher sie kommen, das Geld hochgeschätzt ist. Das führt dazu, dass sie unbändig pedantisch sind und beschweren sich praktisch über alles. Aus diesem Gesichtspunkt sind sie weitaus gewagter Patienten als bei uns. Es taucht in England auch ein Trend aus den USA auf, wo der Klient zur Operation geht und schon im voraus plant er, dass er sich beschweren wird, um eventuell ein wenig Geld zurück zu bekommen. Deshalb überlegt sich jeder Chirurg sehr sorgfältig, welchen Patienten er operieren wird. Ich bin darüber überzeugt, dass dieser Trend auch nach Tschechien kommt.
Gibt es in England die so genannte Gesundheitstouristik?
Sehr oft kommen Patientinnen aus den USA und Kanada, weil die ästhetischen Eingriffe in diesen Ländern immer noch teuerer sind. Aber eine Welle von Gesundheitstouristen wie bei uns gibt es dort nicht. Gegenüber dem Fakt, dass der Chirurg dort wesentlich höhere Steuer, hohe Krankenversicherung bezahlen muss und Kosten für Raumvermietung höher sind, ist der Preis für Eingriffe höher. In der Tschechischen Republik gibt es relativ billige Arbeitskraft, genauso wie Vermietung und Versicherung, und das alles ermöglicht, niedrigere Preise einzuhalten. Gleichzeitig – was ich auch vergleichen kann – steht die tschechische plastische Chirurgie auf einem hohen Niveau, und das zieht Ausländer auch an. Ich sehe da aber auch ein Risiko. Diese Menschen fahren nach einigen Tagen nach der Operation heim, und wenn es einige Komplikationen erscheinen, müssen sie im Ausland gelöst werden. Das macht dann der tschechischen plastischen Chirurgie im Ausland einen negativen Ruf.
In der Tschechischen Republik kann die Eingriffe der ästhetischen Chirurgie auch der Arzt durchführen, der nicht im Fachgebiet der plastischen Chirurgie attestiert ist, wie ist das in England?
In England würde es sich niemand trauen. Wenn es der Patient erfahren würde, wäre der Arzt leicht verletzbar und der Patient könnte viel Geld bei Gericht gewinnen. Ich persönlich habe keinen Arzt aus anderem Fachgebiet getroffen, der die ästhetischen Eingriffe durchführen würde. Hier sehe ich bei uns große Lücken. Etwas anderes ist das bei den nicht invasiven Eingriffen, die von den Ärzten aus anderen Fachgebieten durchgeführt werden, z.B. Dermatologen.
Was für Aussichten haben in England junge Ärzte, die ästhetische Chirurgen werden wollen?
Es ist sehr schwierig, weil der Markt von erfahrenen Operateuren saturiert ist. Die meisten jungen Ärzte arbeiten zuerst im Staatssystem, weil sie sehen, wie groß die Risika des privaten Unternehmens sind. Bis sie sich wirklich nicht erfahren fühlen, leisten sie sich nicht, in die private Praxis zu gehen. Wenn ein Patient eine Beschwerde schreibt, als das erste wird das bewertet, was für die Attestation der Arzt hat, wie viele Eingriffe er durchgeführt hat und wie viel mal er den bestimmten Eingriff durchgeführt hat, über den sich der Patient beschwert.
Wie spiegelt sich der Zustand von englischem Gesundheitswesen in die ästhetische Chirurgie?
Ich persönlich bin nicht ins Kontakt mit dem nationalen Gesundheitssystem gekommen. Aber es ist ähnlich wie in den USA. Wenn Sie keine extra Krankenversicherung haben, ist die Pflege für manche Leute unerreichbar, z.B. stomatologische Pflege. Sobald der Mensch nicht extra versichert ist, bleibt er in einer Reihe von Wartenden. Wenn ich vergleichen kann, dann ist das tschechische Gesundheitswesen auf sehr gutem Niveau.
Bei uns werden Ärzte von der Administration sehr belastet, wie ist das in England?
Aus diesem Sichtpunkt war in England – oder mindestens in der Firma, wo ich gearbeitet habe – für die Ärzte erleichterte Arbeit. Für alles gibt es Formulare, die der Arzt nur ausgefüllt hat. Die meisten Administration hat in England das mittlere Gesundheitspersonal gemacht und der Arzt musste sich damit nicht beschäftigen.
Wie ist die Berufshaftpflichtversicherung in England?
Diese Versicherung ist in England wesentlich anders, die Versicherungsbeträge sind sehr hoch. Ich habe monatlich 3900 GBP bezahlt.
In einigen Ländern steigt die Tendenz, zwei Eingriffe auf einmal durchzuführen, wegen Kostenersparnis. Wie ist die Stellung der Ärzten in Großbritannien zu diesem Phänomen?
In England ist das üblich, aber es hängt natürlich von der Beurteilung und Verantwortung jedes Chirurgen ab, welche Eingriffe er kombiniert und welche nicht.
Sie haben verschiedenste Operationsverfahren und Methoden getroffen. Welche ist für Sie am meisten interessant?
Ich habe in England 10 Patientinnen operiert, bei denen die Brustvergrößerung mithilfe von Stammzellen durchgeführt wurde. 2008 habe ich an dem Workshop an Florida teilgenommen, wo ich diese Technik erlernt habe. Meiner Meinung nach handelt es sich um eine sehr gute Methode, die die verschiedensten Deformitäten der Brust lösen kann. Bei dieser Methode ist es wichtig, dass es um Anwendung von eigenem Gewebe geht, und da das Fett in die Untehaut angewandt wird, droht keine Beschädigung der Milchdrüse. Wenn die Patientin eine passende Brustform für diesen Eingriff hat und sie nur die Vergrößerung um eine, maximal anderthalbe Größe verlangt, eignet sich für sie gerade diese Methode. Es handelt sich aber um einen sehr anstrengenden Eingriff, anstrengend für die voroperative Vorbereitung und postoperative Pflege, weil die Patientin 3 Wochen vor der Operation Vakuumglocken tragen muss, die die Erhöhung von kapillarer Versorgung der Unterhaut verursachen. Damit wird die bessere Heilung von Fettzellen erzielt. Jemand hält es für zu kompliziert, aber es gibt Frauen, die prinzipiell die fremde Materialien verweigern und diesem Eingriff wollen sie sich unterziehen.
Haben Sie sich in England nicht einsam gefühlt, würden Sie eine solche Erfahrung Ihren Kollegen empfehlen?
Selbstverständlich war ich dort nicht ganz allein. In Rahmen der Gesellschaft, wo ich gearbeitet habe, waren noch weitere tschechische Kollegen, wie MUDr. Pross, MUDr. Singerová und MUDr. Krejča. Es freut mich sehr, dass dort alle drei einen sehr guten Ruf der tschechischen plastischen Chirurgie machen. Die Arbeit im Ausland würde ich den Ärzten empfehlen, weil sie dort eine Reihe von Kollegen aus anderen Ländern treffen, die neue Operationsverfahren sehen und sie dann vergleichen können. Ein weiterer Vorteil ist auch das, dass man sich um sich selbst kümmern muss. Ich würde diese Erfahrung eindeutig empfehlen.





